BUNDjugend NRW - Jugend im Bund für Umwelt und Naturschutz in Nordrhein-Westfalen

Bericht: Ohne Geld durch die Welt

15 Jugendliche, eine Großstadt und kein Geld! Das hört sich erstmal gar nicht so ungewöhnlich an, doch dieser Eindruck täuscht. „So, nun legt einmal das ganze Essen, was ihr noch so von der Anreise dabei habt in die Mitte.“ verkündet Oli, Seminarleiter des 6tägigen Projekts „Ohne Geld durch die Welt“. Rasch kramen alle in ihren Taschen: ein bisschen Obst, ein angeknabbertes Käsebrot, ein Schokoriegel. Sichtlich enttäuscht schauen alle Teilnehmer auf den kleinen Haufen in der Mitte. Der Magen knurrt, das Frühstück ist nun wirklich schon lange her. Davon sollen 15 Jugendliche und zwei TeamerInnen satt werden? Anstatt dass von irgendwo ein leckeres Mittagessen hergezaubert wird, verkündet Oli: „Da draußen ist eine Großstadt, ihr seid alle kreativ, lasst euch was einfallen!“

In Kleingruppen verlassen wir das Welthaus und begehen die uns unbekannte Stadt Aachen. Der Duft einer Bäckerei zieht uns durch die Ladentür hinein, doch leider kann uns die Angestellte nicht weiterhelfen und gibt uns die Nummer des Chefs. Auch in weiteren Geschäften ist es schwer den Chef zu erreichen und so bemerken wir schnell, dass die Hierarchiestrukturen in den Geschäften uns das Füllen unseres hungrigen Magens erschweren. Also versuchen wir unser Glück in kleineren Läden, wo der Chef noch an der Theke steht und haben Erfolg! Spülen im Architekturbüro, Lagerraum eines Restaurants putzen und noch vieles mehr. Für die nächsten Tage füllt sich zumindest der Terminplaner. Doch unser Problem bleibt, denn Hunger haben wir jetzt!

Dann versuchen wir unser Glück bei PassantInnen, doch betteln wollen wir nicht. „Hallo, wir machen gerade ein Tauschprojekt! Hier haben wir nen Bleistift, was würden Sie uns dafür geben?“ fragt Teilnehmerin Sonja einen Passanten. Kugelschreiber, Taschentücher, Feuerzeug: das Tauschen funktionert, aber an Essen kommt man dabei nicht, denken wir, bis wir zwei Studenten treffen, die zufällig eine Tasche voller Schokoriegel dabei haben.

Ein anstrengender Tag geht zu Ende und so treffen wir die anderen wieder im Welthaus. Alle plappern durcheinander und der Haufen in der Mitte wird sichtlich größer, sodass niemand hungern muss. Trotzdem beschließen einige Teilnehmende selbständig das „Containern“ auszuprobieren, womit unser Abendessen mit Gemüse und Obst erweitert wird.

Auch die nächsten Tage sind einmalig, so pflegen wir für ein tolles Lagerfeueressen das Schienenbiotop des BUNDs, putzen Lagerflächen in Gemüseläden für Obst und Gemüse, kellnern im Restaurant für leckere Pizzen und noch vieles mehr.

Doch trotz der vielen Arbeit nehmen wir uns auch ein wenig Zeit um uns mit dem Thema Geld zu beschäftigen. So schauen wir uns den Film „Fabian – gib mir die Welt plus 5 Prozent“ an, der zum Diskutieren über unser Geldsystem anregt, lernen bei einer konsumkritischen Stadtfürung, worauf man beim Geldausgeben achten sollte und schauen was für eine Rolle das Geld in einer Stadt und unserer Gesellschaft insgesamt so spielt.

Zufälligerweise entdecken einige bei einem Job, wo sie Flyer für Brötchen austeilen sollen, eine Aktion einer Aachener Bürgerinitiative, die sich zur Rettung von 33 Bäumen einsetzen und so beschließen wir, sie mit einem Straßentheater und beim Unterschriften Sammeln zu unterstützen.

Die Woche runden wir ab, indem wir die Stadt Aachen verliassen und das Landleben ohne Geld austesteten. So arbeiten wir auf einem Bio-Bauernhof! Richtig anpacken, frische Landluft, lustige Anhängerfahrten zu der Rinderherde, spannende Bauernhofgeschichten live vom Bauern Veith am Lagerfeuer mit einer stärkenden Suppe und dann die Nacht im Stroh, so endet eine tolle Woche mit vielen einzigartigen Erfahrungen.