BUNDjugend  
Meine Erfahrungen

Meine Erfahrungen auf dem Camp for [future]

Hallo. Ich bin Anna, 16 Jahre alt und mache momentan ein Schülerpraktikum bei der BUNDjugend NRW. Quasi als Auftakt für mein Praktikum habe ich 2 Tage im camp for [future] verbracht und viele neue Erfahrungen gesammelt.
Es war für mich das erste Mal, bei so einer Aktion dabeizusein und kennenzulernen, was es heißt, für seine eigenen Meinungen auf die Straße zu gehen und zu protestieren. Dazugestoßen bin ich am Samstag, kurz vor der Rote-Linie-Aktion. Ich war ziemlich überrascht, wie groß das Camp doch war; es wurde an alles gedacht: es gab sowohl ein eigenes Küchenzelt (in dem leckeres, veganes Essen gekocht wurde :-)), als auch ein eigenes Pressezelt; Projektzelte und eine Art Wohnzimmer, das große Zirkuszelt.

Ziemlich schnell ging es dann auch schon los zur Rote-Linie-Aktion. Ziel dieser Aktion war es, mit möglichst vielen Menschen eine rote Linie um das rheinische Braunkohleabbaugebiet zu bilden, um so ein klares Zeichen des Protestes zu setzen. Mehrere Kamerateams waren vor Ort und natürlich war die Polizeipräsenz auch dort sehr hoch, wie eigentlich die gesamten 2 Tage durchgehend (auch das camp for [future] stand unter polizeilicher Beobachtung: morgens kam das Ordnungsamt vorbei und prüfte die Lage, und auch ein Polizeiwagen war nie weit entfernt). Als die Polizei später bekannt gab, dass über 3.000 Leute an der Aktion beteiligt waren, war die Freude natürlich sehr groß.

Für mich persönlich war es spannend, so viele Menschen mit ähnlichen Überzeugungen zu sehen, die für ihre Meinungen einstehen und an der jetzigen Situation offen etwas kritisieren bzw. nicht akzeptieren wollen: egal ob jung oder alt, es gab auch viele Familien mit kleinen Kindern in roten Klamotten, sogar Hunde mit roten Halstüchern. 🙂

Anschließend ging es wieder zurück in unser Dorf Kerpen-Manheim, um eine Abschlusskundgebung zu hören und den Tag mit einer Art Straßenfest auszuklingen.

Nachdem ich das Dorf Kerpen-Manheim kennengelernt hatte, war ich ehrlich gesagt etwas geschockt. Alles war so ausgestorben und heruntergekommen, weil die Menschen umgesiedelt wurden. Von den ehemalig rund 1.000 dort lebenden Menschen sind noch ca. 15 übrig geblieben. Aber auch diesen noch übrig gebliebenen Menschen werden von RWE die Häuser abgekauft, sodass früher oder später auch Kerpen-Manheim als Braunkohleabbaugebiet genutzt werden kann.

Das wurde auch nochmal deutlich, als ich abends in die Messe in Manheim gegangen bin: außer ein paar Campteilnehmer*innen waren vielleicht 5 bis 6 ältere Leute in der Kirche, sonst niemand. Ein wirklich verlassenes Dorf.

Wenn ich mir vorstelle, dass ich meine Heimat verlassen müsste, damit alles komplett vernichtet werden kann, um Braunkohle abbauen zu können, kann ich gut verstehen, warum es solche Veranstaltungen wie die Rote-Linie-Aktion gibt: die Leute wollen einfach ein Zeichen setzen, dass sie damit nicht einverstanden sind.

Am Sonntag Nachmittag sind wir dann mit einer Gruppe von ca. 30 Leuten mit dem Bus nach Erkelenz gefahren, um auf dem Marktplatz einen Klima-Flashmob zu veranstalten. Wir haben verschiedene Wetterextreme dargestellt, Lieder gesungen, Flyer verteilt usw. Beeindruckend fand ich, dass die Gruppe immer weiter gewachsen ist, es kamen immer mehr Leute, die sich uns angeschlossen haben und mitgemacht haben. Ein Highlight für mich war, als 5 oder 6 pink gekleidete Menschen vorbeikamen, die „Rythms of Resistance“, und mit cooler Musik richtig Stimmung gemacht haben.

Dennoch hatte ich das Gefühl, dass es die meisten Menschen in Erkelenz eher genervt und gestört hat. Vermutlich auch, weil das Thema Klima in den letzten 2 Wochen ziemlich präsent in den Medien war, im Rheinland ja sowieso.

Nach dem Klimaflashmob war die Zeit auf dem camp for [future] für mich auch schon vorbei.

Insgesamt fand ich die 2 Tage sehr interessant: ich habe neue Leute kennengelernt, und generell war es super spannend, mal live zu erleben, was ich in den letzten 2 Wochen ja nur durch die Medien erfahren hatte.

Natürlich muss man dazusagen, dass die BUNDjugend keine illegalen Aktionen wie Sitzblockaden auf Schienen durchgeführt hat, wie es in den Medien ja viel gezeigt wurde. Ehrlich gesagt war ich da auch ziemlich froh drüber, weil es ziemlich gefährlich hätte werden können.

Insgesamt war es ein aufschlussreiches Wochenende, die Stimmung war gut und ich habe viele neue Sachen und Leute kennengelernt. 🙂