BUNDjugend  

Multi-Schulung Flucht Workshoptag Bericht

Seit März 2017 hat sich eine Gruppe junger Menschen an sechs Wochenendseminaren mit den vielfältigen Themen rund um Migration, Flucht, Asyl, Umwelt, Rassismus und solidarischem Miteinander auseinandergesetzt. In der „Multiplakatorenschulung – Flucht“ haben die circa 23 Teilnehmer*innen, mit und ohne eigener Fluchterfahrung, viel Neues gelernt, Erfahrungen ausgetauscht und hatten eine Menge Spaß zusammen.

Am Samstag (18.11.2017) war es dann endlich soweit: unser gemeinsam gestalteter Workshoptag mit einem bunten Programm stand bevor. Von 10 bis 19:30 Uhr gab es in Dortmund viele spannende Workshops und zwei Stadtrundgänge der „Global Home Tour“ für alle Interessierten.

Unter unserem Motto „Unsere Alternative ist Solidarität!“ startete der Tag mit einem Einführungsworkshop von Edisa, Fatima und Diaa zu den Themen Migration, Flucht und Asyl. In einer interaktiven Aufstellung konnten sich die Teilnehmer*innen des Workshops besser kennenlernen und ihre Erfahrungen austauschen. Wo bist du geboren? Wo lebst du jetzt? Wie oft hast du in deinem Alltag einen Austausch mit Menschen, die einen Migrationshintergrund haben? Glaubst du, dass Rassismus ein großes Problem in Deutschland ist? Auf diese Weise wurde die Vielfalt unserer Gruppe sichtbar und wir konnten bereits in die ein oder andere Diskussion einsteigen.

Beim syrischen Kochworkshop mit Abdullah und Amjad lernten die Teilnehmer*innen wie man die traditionellen syrischen Gerichte Tabouleh, Mujadara, Khyar Bi Laban (Yoghturtsalat) und Falafel zubereitet. Zwischen geselligem Zwiebel schneiden, Kichererbsen zerdrücken und Petersilie hacken sind wir miteinander ins Gespräch gekommen, sodass die Zeit sehr schnell verging. Ruckzuck war das leckere Essen auf dem Tisch. Zum Essen kamen wir alle zusammen: gemeinsam mit den Teilnehmer*innen des parallel stattfinden Workshops „Sprache und Macht – Arabisch lernen in einer Stunde“ und den Teilnehmer*innen der „Global Home Tour“ freuten sich mindestens 60 Menschen über die köstlichen Gerichte.

Mit einem satten Glücksgefühl im Bauch startete nach dem Essen die zweite „Global Home Tour“ an der frischen Luft und der Kaffee-Workshop „Kolonialismus früher – Kaffee heute“, der aufzeigte, welchen post-kolonialen Strukturen beim globalen Handel mit Kaffee immer noch eine große Rollen spielen und zu unfairen Bedingungen in den Ländern des Kaffeeanbaus führen. Der praktische Höhepunkt des Workshops war jedoch die selbstgebaute Maschine vom gelernten Barista Abbas, mit der wir selbst über dem Feuer in kurzer Zeit Kaffeebohnen frisch rösten konnten. Ein Symbol dafür, dass der Gewinn der Kaffeeindustrie nicht bei den Menschen liegt, die viel Arbeit und Energie in Anbau und Ernte der Kaffeebohnen investieren, sondern bei den Ländern des „globalen Nordens“, die von den ungerechten Handelsbedingungen profitieren.

Beim Workshop zu „Bewegungsfreiheit“ ging es darum, dass die Residenzpflicht, an die sich geflüchtete Menschen halten müssen, dem Menschenrecht der Bewegungsfreiheit grundsätzlich entgegensteht und welche Folgen dies für die betroffenen Menschen haben kann. Ähnlich wie viele andere Bestimmungen des Asylrechts ist dies ein Ausdruck von politischen und gesellschaftlichen Strukturen, die häufig rassistisch sind.Der Mensch, der hinter diesen Strukturen steht, wird unsichtbar.

Daran knüpfte auch der Abschließende Workshop „Anti-Rassismus und AfD- Argumentationstraining“, sowie „Solidarität im Alltag“ an. Nachdem wir gemeinsam erarbeitet haben, wie Rassismus entsteht und wie er funktioniert, haben wir uns mit rassistischen Zitaten von AfD- Politikern beschäftigt, über eigene Rassismuserfahrung, z.B. in der Schule, gesprochen und schließlich in Rollenspielen geübt, was man rassistischen Aussagen entgegenstellen kann. Unserer Wut gegenüber den ungerechten Strukturen konnten wir so Luft machen und abschließend über unsere gemeinsame Alternative sprechen: Solidarität! Was können wir im Alltag tun? Welche (Migrant*innenselbst-) Organisationen können wir unterstützen? Was können wir bei uns selbst reflektieren, um rassistische Strukturen nicht zu reproduzieren?

Am Ende des Tages waren sich alle Teilnehmer*innen und die Teamer*innen des Workshopstags einig: wenn wir zusammenhalten, uns austauschen und zuhören, Gemeinsamkeiten stärken und uns gegen Vorurteile und Rassismus stark machen, kann ein solidarisches Miteinander entstehen aus dem etwas Gemeinsames wachsen kann. Leckeres Essen und Spaß kommen dabei auch nicht zu kurz 😉