23 Jahre Tschernobyl: "Atomkraft fordert Opfer. Wir fordern den Ausstieg!"
Zum 23. Jahrestag des Reaktorunglücks von Tschernobyl hat der Aktivenpool der BUNDjugend am 25./26. April in Dortmund gleich zwei Aktionen gestartet: Eine symbolische Sperrung von ca. 20 innerstädtischen Spielplätzen in Erinnerung an die Wirklichkeit vor 23 Jahren und ein „Die-in“ vor dem Dortmunder Hauptbahnhof. Bis tief in die Nacht und früh am Morgen waren wir aktiv...
Spielplatz-Sperrung
Schon am Vorabend des Jahrestags waren wir unterwegs, um unsere erste Aktion zu realisieren: die Spielplatz-Sperrung. Nach einem späten, natürlich vegetarischen Imbiss, machten wir uns in zwei Gruppen auf den Weg zu den Spielstätten. Ausstattung: Karten, in der sämtliche Spielplätze der Dortmunder Innenstadt eingetragen waren, Flatterband, Paketband, Schere und im Vorfeld vorbereitete Warn- beziehungsweise Hinweis-Schilder für die Aktion. Aufgabe: Mit Flatterband und Schildern die Spielplätze sperren.
Auf den gelben Schildern mit Radioaktivitäts-Zeichen stand schon von Weitem gut lesbar „Radioaktivität - Spielplatz gesperrt“. Bei näherem Hinsehen war zu lesen, dass vergleichbare Schilder vor 23 Jahren tatsächlich vor der Gefahr durch den radioaktiven Fallout von Tschernobyl warnten und das Spielen im Freien eingeschränkt und teilweise verboten wurde.
Die Risiken der Atomkraft sind bis heute unverändert gegeben. Wir wollten mit unserer Aktion die Leute wachrütteln, indem wir an die drastischen Folgen des Reaktorunglücks von Tschernobyl erinnerten. Schon bei unserem nächtlichen Treiben hatten wir an einigen Spielplätzen Gespräche mit Passanten zum Thema und zu unserer Aktion.
Während eine Gruppe das Nachtlager aufsuchte, markierte eine kleine Gruppe weitere Spielplätze, so dass zahlreiche Dortmunder am nächsten Morgen an etwa 20 Orten erst schockiert und dann betroffen sein sollten.
„Die-in“ vor dem Dortmunder Hauptbahnhof
Nach einer kurzen Nacht, so wie wir es von BUNDjugend Wochenenden gewohnt sind, stand am Sonntag Morgen mit einem „Die-In“ der zweite Teil unserer Tschernobylaktivitäten an: An der großen Treppe vor dem Hauptbahnhof entfalteten wir unser Banner: „Atomkraft fordert Opfer. Wir fordern den Ausstieg!“ Davor legten sich einige BUNDjugend-Aktive und Freunde wie tot zu Boden. Die „Toten“ wurden dann von in Schutzanzüge gekleideten Leuten weggetragen. Mit dem Verteilen von Flyern wurden wir bei der Aktion von einigen BUND Mitgliedern unterstützt, die auf dem Weg zur an diesem Morgen startetenden Landesdelegiertenversammlung des BUND waren.
Angesichts der Tageszeit - es war Sonntag Morgen gegen 10.00 Uhr - kamen leider nicht so viele Leute vorbei, wie wir uns erwünscht hätten. Die „Bergung der Strahlenopfer“ brachte aber viele Passanten zum Stehen, so dass wir ihnen Flyer geben und Gespräche führen konnten.
Nach der Aktion...
Weil einige von uns zur Landesdelegiertenversammlung des BUND mussten, konnten wir die Aktion nur bis kurz nach zehn durchführen. Kaum saßen wir in der Versammlung rief die Polizei an und fragte ob wir Spielplätze abgesperrt hätten. Es gäbe einige besorgte Anrufer. Natürlich wiesen wir darauf hin, dass es sich um eine symbolische Absperrung handelte und aus dem Text deutlich hervorging, dass es nur eine Aktion anlässlich des Jahrestages von Tschernobyl war. Zudem war einer der Aktiven beauftragt, die Schilder wieder abzunehmen.
Fünfzehn Minuten später klingelte das Handy wieder. Diesmal war die Polizei etwas gereizter, denn es gab weitere Anrufe besorgter Bürger. Wenig später folgte der dritte Anruf vom "Staatsschutz“. Einige Bürger seien besorgt. Es könne sein, dass wir am Montag Post von der Polizei bekämen, eine Anzeige sei nicht auszuschließen. Wir haben nochmals erklärt, dass es sich nur um eine symbolische Sperrung handelt, Sorge bereite uns jedoch die Gefahr, die von der Atomenergie ausgeht! Um den möglichen Ärger in Grenzen zu halten, versprachen wir jedoch die Schilder zu entfernen.
Beim Entfernen der Schilder spielten auf einigen Spielplätzen trotz der Absperrung Kinder unter der Beaufsichtigung ihrer Eltern. Wir hatten positive Gespräche mit den Eltern und erklärten einigen Kindern was genau am 26. April 1986 passiert war. Zahlreiche Kinder hatten die Schilder sofort durchschaut. „Das ist doch eh nur ein Scherz.“ Ein Schild verschenkten wir an einen, von unserer Aktion berührten, Passanten der Tschernobyl zu seiner Jugend „sehr bewusst miterlebt und die Ereignisse verfolgt hat.“
Mit dem Einsammeln der Schildern war unsere Aktion beendet. Wir haben viele Leute erreicht. Die meisten offenbar positiv. Einige waren wohl auch so über unser Vorgehen empört, dass sie die Polizei riefen. Wie schön wäre es wenn alle ihre Empörung dazu nutzen würden darüber nachzudenken warum sie so geschockt waren und was wir tun können, damit wir uns nicht mehr vor einer radioaktiven Bedrohung fürchten müssen.









