BUNDjugend Nordrhein-Westfalen  

Projektantrag “Demokratische, politische und Wertebildung”

Unser Projekt “Visionen für die Zukunft” will u. a. junge Menschen in ihrer Werte- und Meinungsbildung stärken stärken und sie bei der Übernahme von Selbstverantwortung für die Mitgestaltung einer lebendigen Demokratie unterstützen. Somit haben wir am 10. Januar in der neuen Förderposition “Demokratische, politische und Wertebildung” finanzielle Unterstützung des Kinder- und Jugendförderplans NRW beantragt, um die Fortführung unserer Arbeit im Projekt “Visionen für die Zukunft” von Mai 2019 bis April 2020 zu sichern.

Nachfolgend zwei Passagen aus dem Projektantrag zur Begründung und den Zielen des Projekts – kritische Rückmeldungen hierzu sind immer willkommen:

Begründung des Projekts

Gesellschaft und Demokratie befinden sich in einer Zeit des Umbruchs – in Deutschland, in Europa und in der ganzen Welt. Angesichts gewaltiger und für viele Menschen existenzbedrohenden Herausforderungen wie Klimawandel, soziale Ungleichheit, Flucht und Extremismus verlieren viele an Vertrauen in die Wirkmacht der Demokratie, eine lebenswerte, offene, freie und verantwortungsvolle Gesellschaft zu entwickeln. Durch das Unvermögen, die komplexen Zusammenhänge zu verstehen, gewinnen als Ausdruck vielfach unbewusster Ohnmacht, Überforderung oder Verzweiflung bei vielen Bürger*innen vereinfachende, verdrängende und unverantwortliche Perspektiven und Verhaltensweisen an Attraktivität und Einfluss. Andere erheben sich moralisch über ihre Mitbürger*innen, z. B. mit Schlagworten wie „Nazischweine / AfD-Wähler*innen“, „Klimasünder*innen“ oder „die unpolitische, spaßfokussierte Jugend“, und verlieren unbemerkt sowohl die Augenhöhe zu ihren Mitmenschen als auch die Fähigkeit, diese für ihre gesellschaftlichen Werte zu begeistern. Politische Debatten sind in diesem Umfeld in nahezu allen politischen Gruppierungen von starren Vorstellungen über „richtig“ und „falsch“, anfeindenden Schuldzuweisungen und krampfhaftem Bemühen, selbst auf der als richtig bewerteten Seite zu stehen, geprägt.

Trotz des bei vielen Jugendlichen gegebenen Antriebs, die Gesellschaft und ihre Zukunft mitzugestalten, finden in der spannungsgeladenen und schwer überschaubaren Gemengelage sowie angesichts der komplexen Herausforderungen nur wenige junge Menschen anhaltende Inspiration und Begeisterung für ein wirksames und nachhaltiges politisches Engagement. Auch viele aufrichtig motivierte Aktive erfahren wenig Wirksamkeit, Gemeinschaft oder Nachhaltigkeit und erleben in ihrem Engagement zunehmend Überforderungsgefühle, Ohnmacht, Frustration und schließlich Resignation.

Im Buch „Zehn Regeln für Demokratie-Retter“ der Bundeszentrale für politische Bildung wirbt Jürgen Wiebicke für die Eröffnung von Erfahrungsräumen, in denen sich Menschen verschiedener Meinung begegnen und sich in ihrer Selbstwirksamkeit auf eine Weise erfahren können, die sich für alle Beteiligten gewinnbringend ausgestaltet. Wiebicke plädiert für ein zwangloses und gemeinschaftliches Engagement, in dem altruistische Empathie Hand in Hand mit persönlicher Lebensqualität geht.

Auch aus unserer Sicht ist es vielversprechender, sich aktiv und einladend für die eigenen Wünsche einzusetzen, als Unerwünschtes zu bekämpfen. Wer diesen Perspektivwechsel mit kleinen, aber wirkungsvollen Veränderungen bei sich selbst und in der unmittelbaren Umgebung vollzieht, lernt hierbei auch größere Wirkungskreise zu ziehen, Unterstützer*innen zu gewinnen und zunehmend mehr Selbstwirksamkeit zu erfahren. Auf diese Weise entstehen gemeinschaftliche Geschichten des Gelingens, in denen Aktive sich selbst wie Außenstehende bei ihrem gesellschaftlichen Engagement respektieren, inspirieren und einladen.

Mit den Erfahrungsräumen Jahresreise und Visionssuche bietet die BUNDjugend NRW seit 2016 engagierten Jugendlichen Möglichkeiten, sich und ihr Engagement in diesem Sinne auszurichten. Aufgrund der großen Resonanz seitens der beteiligten Jugendlichen sowie wachsendem Interesse bei der Zielgruppe wie auch der Öffentlichkeit sind wir bestrebt, die in dem Projekt stattfindende Visionsfindungs- und Gemeinschaftsbildungs-Arbeit fortzuführen. Entsprechend wird die neuerliche Durchführung zweier Jugend-Visionssuchen und einer Jahresreise angestrebt, die in herausragender Weise der Vertiefung und Weiterentwicklung humanistischer und ressourcenbewusster Wertgrundlagen dienen. Auf dieser Basis unterstützen die Angebote die Jugendlichen, ihre Potentiale zu entfalten und politische Wirksamkeit zu erzielen. Mit zahlreichen Aktiven, die bereits eine Jugend-Visiossuche und/oder eine Jahresreise durchschritten haben bietet das Projekt darüber hinaus ein Lern- und Forschungsfeld, in dem sich aktuell über 50 junge Menschen gegenseitig inspirieren, vernetzen und unterstützen/begleiten.

Ziele des Projekts

Das Projekt ermöglicht den Teilnehmenden tiefgehende Erfahrungen, die sie dabei unterstützen,

  • sich selbst und andere Menschen mit den persönlichen Wahrnehmungen, Gefühlen und Gedanken besser kennen zu lernen und anzunehmen
  • ihre eigenen Befindlichkeiten und Bedürfnisse wahrzunehmen und die daraus resultierenden Anliegen klar zu formulieren
  • Wahrnehmungen, Interpretationen und Bewertungen zu unterscheiden und klar zu kommunizieren
  • durch wohlwollende Hinwendung Akzeptanz und Empathie für sich selbst, andere Menschen und andere Lebewesen zu entwickeln
  • sich als eigenverantwortlichen und wirksam gestaltenden Teil der Gemeinschaft (Gruppe, Gesellschaft, Ökosystem Erde) wahrzunehmen
  • bislang unbekannte Möglichkeiten für eine ressourcenschonende Erfüllung persönlicher Bedürfnisse unter Berücksichtigung der Bedürfnisse von anderen zu erschließen
  • eine Vielfalt alternativer Lebenswelten und -entwürfe kennen zu lernen
  • auch als schwierig empfundene Erfahrungen als Lern- und Entwicklungschance zu nutzen
  • zuversichtliche Perspektiven auf persönliche, gesellschaftliche und globale Krisen entwickeln zu können, ohne diese zu beschönigen oder die damit verbundenen Herausforderungen zu verdrängen
  • persönliche Absichten und Ziele für spontane wie gereifte Handlungsimpulse gründlich zu hinterfragen, zu klären und auszurichten
  • intrinsisch motivierte, proaktive und machbare Ziele für das persönliche Engagement und gesellschaftliche Handeln zu finden
  • einen Gemeinschaftsbildungsprozess mitzugestalten, in dem sich auf gemeinsame Werte und Ziele fokussierte Aktive gegenseitig coachen und bestärken

Diese vorgenannten, auf die persönliche Entwicklung gerichteten Kompetenzen bilden die Basis für folgende Ziele, die im Rahmen des Projekts verfolgt werden:

  • Entwicklung zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten
  • Weiterentwicklung der Fähigkeiten zur Urteilsbildung über politische, gesellschaftliche und lebensweltliche Themen und Konflikte
  • Aneignung gemeinschaftsdienlicher, demokratischer Haltungen
  • Stärkung des Interesses an gesellschaftlicher und politischer Beteiligung
  • Befähigung junger Menschen zur nachhaltigen Wahrnehmung ihrer Interessen und Mitgestaltung demokratischer Entscheidungsprozesse
  • Erfahrung der eigenen Selbstwirksamkeit